Konflikte und Auseinandersetzungen lassen sich im Berufsleben oft nicht vermeiden. Aber wie gehen wir damit um?  Nicht alle sprechen Ärger, Enttäuschung oder Wut offen aus. Häufig kommt es zu Reaktionen wie Schmollen, beleidigt sein, sich zurückziehen. Kleine Sticheleien hinter dem Rücken, Augenbrauchen hochziehen, einfach umdrehen und weggehen sind andere Ausprägungen. Wer kennt das nicht? Diese Art der Kommunikation wird in der als Psychologie „passiv-aggressiv“ bezeichnet.

Der andere fühlt sich, auch wenn nicht offen angesprochen, angegriffen. Dieses Verhalten raubt Energie und wird nicht selten als herabsetzend, ablehnend oder ignorant empfunden. Das Schlimme daran: das Verhalten ist selten konkret nachweisbar. Sprechen wir es direkt an, kommt vielleicht ein „du bist aber empfindlich“ oder „das bildest du dir ein“. Und dann werden wir wütend – bis uns schlimmstenfalls der „Kragen platzt“.

Die Frage stellt sich, ob der „passiv-aggressive“ Gegenüber das Verhalten bewusst und zielgerichtet einsetzt. Und das ist oft eben nicht der Fall. Oft ist es dem Schmollenden gar nicht bewusst. Er hat vielleicht gelernt, dass offene Kommunikation gefährlich ist. Es handelt sich meist um eine Prägung aus der Kindheit – lieber nichts sagen und damit Ärger vermeiden. „Mama hat das auch schon so gemacht, wenn Papa schimpfend nach Hause kam“.

Das soll keine Entschuldigung für diese Art der Kommunikation sein. Es hilft aber, den anderen etwas besser zu verstehen. Und das macht es schon mal möglich, nicht wütend zu reagieren. Der wichtigste Tipp im Umgang mit einem „passiv-aggressiven“ Menschen: bleiben Sie klar, freundlich und bestimmt in ihren Aussagen. Sprechen Sie ihre Irritation offen an. Ziehen Sie Grenzen und lassen Sie sich nicht die Wut „in die Schuhe schieben“.

Sagen Sie, wie das Verhalten bei Ihnen ankommt und wie sie es gerne hätten. Im beruflichen Kontext bedeutet dies aber auch – bleiben sie auf der Sachebene. Sonst besteht die Gefahr, dass Sie selbst plötzlich als der Beleidigte dastehen.

© 2020 Angela Barzen