„Wir stehen für…“

Ich erlebe gerade oft, dass es Menschen schwerfällt, wieder in Ihren Rhythmus zu kommen, wieder in die Arbeit, in die Firma zurückzufinden.

 

Wir alle wollen im Idealfall begeistert und mit tiefer innerer Motivation etwas tun.

Wir sprechen dann auch davon „mit vollem Herzen dabei sein“. Aber das ist gar nicht so leicht, besonders jetzt nach der Pandemie. Zeit, darüber nachzudenken, was wir brauchen, um mit voller Kraft und Herzen bei einer Sache, bei der Arbeit oder bei einem Menschen zu sein.

 

Es geht um das Warum. Warum und wann kommen wir ins Tun? Warum begeistern uns gewisse Dinge und Menschen und warum lassen uns gewisse Situationen „aus der Haut fahren“? Warum haben wir einen Beruf gewählt und warum stehen wir hinter einem bestimmten Unternehmen? Und dann die Frage: ist das, was vor der Pandemie richtig und wertvoll war, noch unseren Einsatz wert?

 

Dahinter stecken unsere Werte. Sie sind in gewisser Weise die Leuchttürme in unserem Leben, sie geben uns Richtung und Orientierung. Dazu gehören der Selbstwert und die Bewertung dessen, was uns umgibt. Sinnerleben im Arbeitsleben wird ermöglicht, wenn unsere persönlichen Werte noch zu den gelebten Werten des Unternehmens, in dem wir arbeiten, passen. Wenn nicht, dann entsteht ein Wertekonflikt, der auch zur Kündigung führen kann. Damit Mitarbeiter motiviert sind und auch Kunden hinter dem Unternehmen stehen können, müssen die Werte des Unternehmens und des Einzelnen harmonieren, übereinstimmen oder sich ergänzen. Und sie müssen als authentisch empfunden werden.

 

Unternehmen definieren sich über ihre Werte. „Wir stehen für…“ ist das Aushängeschild vieler Unternehmensdarstellungen. Genannt werden hier oft u.a. Ehrlichkeit, Kontinuität, Fairness, Weiterentwicklung, Zuverlässigkeit…. Aber werden die Unternehmen ihren selbst definierten Werten noch gerecht? Oder ist eine Überprüfung, Neujustierung erforderlich? Werte sind nichts, was dauerhaft Gültigkeit behält und glaubhaft ist, nur, weil es einmal festgelegt wurde. Werte leben, verändern sich und müssen gelebt werden. Sie sind kein Wunschdenken.

 

Eine große deutsche Airline betont: „Wir stehen für Zuverlässigkeit und Service“. Heute stellen dies Kunden und auch Mitarbeiter in Zweifel. Besonders bei dem Premium Kunden hat das Unternehmen Vertrauen verloren. Es gilt also, sich neu aufzustellen, die Werte neu zu definieren und auszufüllen. Denn Zuverlässigkeit kann auch bedeuten, klar zu kommunizieren, den Kunden und die Mitarbeiter mit auf die Reise zu nehmen, sie an einer Neu-Ausrichtung teilhaben zu lassen. So räumte der Vorstandsvorsitzender besagter Airline in einem Interview am 13.10.2021 ein, dass die Werte in Punkto Service gerade nicht erfüllt werden. Diese Offenheit ist eine Voraussetzung, um Vertrauen wieder aufbauen zu können.

 

Besonders hoch im Kurs steht gerade das Thema Nachhaltigkeit. Der Begriff wird fast inflationär benutzt. Fas jedes Unternehmen bezeichnet sich als nachhaltig. Wenn wir Werbung ansehen, sind schon Bananen aus fernen Ländern nachhaltig, nur weil sie mehrfach mit dem gleichen Wasser gewaschen wurden. Nachhaltigkeit ist jedoch ein Wert, eine Haltung und ein Versprechen. Und umfasst mehr als Umweltschutz. Es beinhaltet darüber hinaus auch wirtschaftliche und soziale Aspekte und damit auch Themen wie Rentabilität, Gerechtigkeit und Fairness. Nachhaltigkeit ist auch Verlässlichkeit und Vertrauen in Wertigkeiten. Und nicht zuletzt darauf, dass Mitarbeiter als wertvoll geschätzt werden.

 

Betrachten wir die letzten 1½ Jahre, so haben sich Arbeits- und Tagesabläufe verändert – gerade dann, wenn wir viel im Homeoffice tätig waren. Und jetzt soll alles wieder so sein wir vor der Pandemie? Zurück zu der „Normalität vor Corona“. Abgesehen davon, dass wir Zeit nicht zurückdrehen können, so ist es normal, dass wir Zeit brauchen für jetzt ideale (vielleicht auch neue) Strukturen und Prozesse. 

 

Viele Menschen haben auch die Zeit genutzt und den Job oder sogar die Branche gewechselt. Insbesondere die Gastronomie und Hotellerie ist hier sehr stark betroffen. Zum Teil verloren sie 1/3 ihrer Belegschaft und stehen nun vor der Aufgabe, dass die noch bestehende Mannschaft viel mehr leisten muss und neue Mitarbeiter händeringend gesucht werden. Die Belastung ist also enorm. Was kann nun helfen, die Motivation wieder zu finden, Spaß an der Arbeit zu haben und Sinn darin zu erkennen?

 

Auch hier gilt; jetzt darüber nachdenken: Was ist uns besonders wichtig an unserem Beruf, unserer Tätigkeit? Warum arbeiten wir gerade in dieser Firma? Was ist hier das Besondere?

Und dann herausfinden, was können wir persönlich dazu beitragen, dass das, was uns wichtig ist, bestehen bleibt oder wieder mit Inhalt und Leben gefüllt wird.

Am effektivsten sind diese Gedanken und Überlegungen im Team und idealerweise mit einem neutralen Beobachter, der den Prozess begleitet. Dann werden gemeinsame Werte und Ziele wiederentdeckt, und das schafft Sicherheit und Verbundenheit.

 

Wenn uns klar ist, was uns wichtig ist, dann kommen wir ins Handeln, dann sind wir auch mutig für Veränderungen. Sich des eigenen Wertes bewusst zu sein, sei es der Wert des Unternehmens oder der Selbstwert der Person, unterstützt die Bereitschaft neue Wege zu gehen, fördert Kreativität und Flexibilität.

 

Es lohnt sich, sich mit dem Thema Werte, Wertigkeit, Wertschätzung oder auch Selbstwert auseinanderzusetzen und damit unsere „Leuchttürme“ zu kennen und sie mit neuem Leben zu füllen.

 

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