Etwas tun und dabei Sinn erleben..

Wenn wir neue Aufgaben im Beruf bekommen – wie oft sagen wir „ich versuche es“. Was bedeutet dieser Versuch? Er beinhaltet Unsicherheit, einerseits hinsichtlich der Erfahrung und/oder der Kompetenz, die Aufgabe erfüllen zu können. Ein Versuch schließt von vornherein die Möglichkeit des Scheiterns mit ein, Zweifel schwingen mit. Andererseits kann es aber auch eine Frage der Motivation sein. Will ich diese Aufgabe annehmen? Sehe ich den Sinn dahinter? 

Bewerte ich einen Job, eine Tätigkeit als sinnvoll, dann „tue ich etwas“, ich bin mit voller Überzeugung dabei“. Je mehr Sinn ich in meiner Tätigkeit erlebe, desto größer ist die Motivation und damit auch die Wahrscheinlichkeit für nachhaltigen Erfolg.


Die Frage nach der Sinnhaftigkeit in der Arbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung. Den Zusammenhang zwischen Sinn – Wohlbefinden – Gesundheit und Erfolg ist in zahlreichen Studien belegt worden. Die Trennung von Arbeits- und Freizeit verschwimmt immer stärker; wir sprechen von Lebenszeit.


Der Fehlzeitenreport der AOK 2018 belegt beispielsweise den Zusammenhang zwischen Krankheitstagen und Sinnerleben bei der Arbeit: Passen der eigene Anspruch an das Sinnerleben im Beruf und die Wirklichkeit gut zueinander, belaufen sich die durchschnittlichen krankheitsbedingten Fehltage pro Jahr auf 9,4. Erlebt der Beschäftigte keinen Sinn, dann liegen die Zeiten mit 19,6 Fehltagen mehr als doppelt so hoch.

Forschungsergebnisse zeigen auch, dass Menschen, die Sinn in ihrem Leben empfinden, eine signifikant höhere Lebenserwartung haben.


Was bedeutet denn nun Sinn bei der Arbeit? Wann erlebe ich meine Tätigkeit als sinnvoll?

Dahinter steht die Identifikation mit dem, was ich tue. Meine Tätigkeit füllt mich aus. Im Idealfall erlebe ich sogar Stolz. Dieses Gefühl entsteht jedoch nicht nur aus einem selbst. Unternehmen und Führungskräfte können maßgeblich dazu beitragen:

  • Entspricht oder unterstützt die berufliche Tätigkeit das Erreichen persönlich wichtiger Ziele? Und stimmt das Handeln mit den der eigenen Werte überein? Hierfür ist viel Kommunikation zwischen Führung und Mitarbeitern erforderlich. Was sind die langfristigen Ziele, was ist dem Mitarbeiter langfristig wichtig? Und passt das mit seiner Tätigkeit und den Perspektiven im Unternehmen überein? 

  • Entsprechen die Werte des Unternehmens mit denen des Mitarbeiters? 
    Um hier ein größeres Bewusstsein und eine Klarheit zu bekommen, veröffentlichen viele Unternehmen die Werte in Form von Plakaten oder sogenannten Wertebäumen auf der Homepage, im Unternehmen etc. So wird klar ersichtlich, für was ein Unternehmen steht, der Mitarbeiter hat eine Orientierung. Wichtig dabei, diese Werte mit Leben zu füllen und nicht nur plakativ als schöne Worte und Bilder darzustellen.

  • Eigene Stärken und Talente einbringen. 
    Menschen dort einsetzen, wo sie besonders gut sind. Nicht nur auf erlernte Qualifikation achten, sondern auch gezielt fragen und beobachten, was sie besonders gerne und gut können. Bei welchen Tätigkeiten sie über sich hinauswachsen und stolz auf sich sind. Wann verfliegt die Zeit im Tun, man wird Eins mit der Tätigkeit – wann erleben wir Flow? Das sind Indizien für Stärken. Können Mitarbeiter ihre Stärke leben und einsetzen, dann sind sie maximal motiviert und können so einen nachhaltigen, wertvollen Beitrag für das Unternehmen leisten.

  • Teil von etwas sein und mitgestalten können
    Wenn Mitarbeiter sich mit einem Unternehmen identifizieren, dann haben sie das Gefühl, Teil davon zu sein, dazu zu gehören. Dies fällt umso leichter, je selbstwirksamer wir uns fühlen. Es geht darum, etwas zu bewirken, die Arbeitsprozesse mitgestalten, Verantwortung zu übernehmen oder bei der Lösung von Problemen unterstützen zu können. Das Gefühl von Selbstbestimmtheit und Kompetenz wird gestärkt.

  • Unterstützende und wertschätzende Beziehungen. 
    Wir Menschen sind nun mal Rudeltiere. Die wenigsten von uns können auf Dauer alleine vor sich hin arbeiten. Wir brauchen den Austausch. Einfach formuliert: Wie brauchen positive Beziehungen. Unterstützung, Feedback, respektvoller und fairer Umgang gehören dazu. In Zeiten von Covid 19 sind wir aufgefordert, neue Wege zu finden; mehr und deutlicher aussprechen, was uns bewegt, was wir gut finden, wie wir zu der Person oder der Leistung des Anderen stehen. Das Erleben positiver Beziehungen in einem Unternehmen stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit und Sinnerleben. Die Bedeutung von Familie und Freunden ist dabei auch im beruflichen Kontext nicht zu unterschätzen. Geht ein Mitarbeiter in seiner Arbeit auf (macht daher oft und viele Überstunden), ist aber auf der anderen Seite Familienmensch – dann kann es über kurz oder lang zu einem inneren Konflikt kommen. Oft liegt hier eine Ursache für Burnout und bedarf aktiver Unterstützung und Sensibilität von Seiten des Unternehmens.


    Die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter ist mit entscheidend, ob Sinn erlebt wird. Lässt mich die Führungskraft an Unternehmensentwicklungen teilhaben, kann sie Verantwortung abgeben oder vermittelt sie das Gefühl „alleine alles im Griff zu haben“, werden Informationen und Wissen weitergegeben oder gehortet? Werde ich von der Führungskraft wahrgenommen, gibt es Feedback?

  • Selbstmitgefühl und Selbstakzeptanz zulassen
    Wir sind nicht immer perfekt, nicht immer zu Höchstleistungen in der Lage. Kennen wir unser Grenzen? Können wir mitfühlend mit uns umgehen? Akzeptieren wir uns so, wie wir sind oder laufen wir Idealbildern hinterher? Um Sinn im Tun zu erleben, bedarf es einem Sich-Selber-Kennen und auch mal tolerant mit sich umgehen zu können. Ein Gehetzt-Sein bewirkt Unzufriedenheit und ist ein schlechter Nährboden für Sinn-volles Leben und arbeiten. 

Um Sinn zu erleben brauchen wir einfach gut „gefüllte“ Psychologische Grundbedürfnisse. Diese sind Kompetenz, Beziehung und Autonomie.

 

Ich lade Sie nun zu einem kleinen Experiment ein. Wenn Sie das nächste Mal vor einer Aufgabe stehen: Fühlen Sie in sich hinein, wenn sie nacheinander mit der Haltung „ich tue das“, „ich tue das nicht“ oder „ich versuche das“ herangehen. Was fühlt sich sinnvoll und inspirierender an?

 

Unser Handeln als sinnvoll zu erleben, die Basis für Wohlbefinden im Beruf: für Business-Wellbeing.

 

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